Sie befinden sich hier: Home / Wissenswertes rund um Hund und Hundeausbildung / Kynologische Termini / Dominanzverhalten und Kastrationen 

Wissenswertes rund um den Hund

Dominanzverhalten und Kastrationen

–  zum Nachdenken –

 
 
Neugierig-temperamentvolle Welpen werden zu oft als „zu dominant“ dargestellt. Lebhafte Junghunde werden ebenfalls meist als zu dominant bezeichnet mit der Empfehlung an deren Besitzer, sie kastrieren zu lassen, auf Grund der festgestellten vorhandenen bzw. künftigen Dominanzprobleme.  Solche Behauptungen sind unsinnig, solche Empfehlungen entwürdigend-kriminell.
 
Sollte sich nun jemand nach diesen Aussagen betroffen fühlen, dann wäre vielleicht in Erwägung zu ziehen, ob nicht ein anderer Beruf hätte zur Wahl stehen sollen. Die Mehrzahl von Veterinären plädieren gegen unnötige Kastrationen (selbst wenn sie gewinnbringend sein mögen).
 
Der Vergleich „Dominante Hunde = Problemhunde“ ist schlichtweg unrichtig. „Echte“ ranghöhere Hunde treten eher selten auf. Die Mehrzahl unserer Familienhunde sind in der Regel „normal gelagerte“ Hunde!
 

Über Kastrationen

Laut Tierschutzgesetz darf Tieren ohne vernünftigen Grund weder körperliches noch psychisches Leid und Schaden zugefügt werden. Im diesen Sinne sollen Hunde nur kastriert werden, wenn medizinische Notwendigkeit vorliegt. Sonst angewandte „routinemäßige“ Kastrationen in Tierheimen sind nach der letzten Formulierung des Tierschutzgesetzes niedergelegt.
 
Kastration im Junghundealter ist außerdem ein Eingriff in das biologische Wachstum und auf die Wesenentwicklung des Hundes selbst.  Kastration bei Hündinnen sollte je nach Entwicklungsstand nach der ersten oder besser zweiten Läufigkeit stattfinden.
 
Außer einer medizinischen Notwendigkeit, wird die Kastration von Rüden bei bestimmten Weseneigenschaften empfohlen, welche sind:
 

  • gesteigerte Aggressivität gegenüber Artgenossen
  • Rivalitätsverhalten (Kampfhundeigenschaft)
  • gesteigerter Fortpflanzungstrieb (Sexualtrieb).

 

Ausser diesen drei Begründungen für die Kastration eines Rüden stellen alle Ratschläge zu dieser aus anderen Aspekten unnötige Eingriffe dar. Einer so leichtfertig empfohlenen Kastration sollte Misstrauen entgegen gebracht werden und nachdenklich stimmen, ob man die richtige Hundeschule besucht oder beim Tierarzt seines Vertrauens ist. Verhaltensprobleme werden meist nicht durch Kastration beseitigt sondern allein durch die richtige und gewissenhafte Handhabung bei der Erziehung des Hundes gelöst. 

 

Kastration – ja oder nein?

Bitte beachtet dazu auch den Beitrag zu dem höchst lesenswerten Buch über "Kastration und Verhalten beim Hund" von Sophie Strodtbeck // Udo Gansloßer.

 

 

 

 

 

 

Über Dominanzverhalten

Dominanz bedeutet dominieren über Andere. Hunde mit solch vereinfachter, genereller Formulierung begegnet man nur vereinzelt. Es gibt aber Hunde, die nur bestimmte oder mehrere Dominanzverhalten zeigen, ansonsten sind sie „normal“.

Zum Beispiel: ein Hund bewacht sein Haus (Territorial- Verhaltenkomplex), aber ist nicht in der Lage, es aggressiv zu verteidigen. Ein anderer Hund  ist aggressiv-dominant gegenüber Fortpflanzungsrivalen aber in anderen Situationen reagiert er ängstlich- unsicher. Der Hund kann Dominanz demonstrieren in Situationen, die für ihn wichtig erscheinen, bei anderen Situationen zeigt er sich neutral oder sogar unsicher.
 
Der selbstbewusste Hund wird fälschlicherweise als aggressiv und „böse“ abgestempelt. Aggression ist eine genetische, individuelle Eigenschaft, die nicht unbedingt in Verbindung mit der Wesenstärke des Hundes steht (ranghöherer Hund).   
 
Ein wesenstarker-selbstbewusster Hund ist in der Lage, sich in Stress-Situationen zu kontrollieren, bei Belastung eher überlegen entgegen eines wesenschwachen, meist bissigen Hundes (Angstbeißer). Der wesenstarke Hund wird von Hundekennern bevorzugt;  seine natürliche Dominanz ist im keinem Fall eine Krankheit, die mit Kastrationen zu bestrafen wäre.

 

Eure Astrid Cordova